Bürgerlich Grün

Die wirkliche Aussage, die wir heute Morgen nach den erfolglosen Sondierungsgesprächen der Grünen mit der CDU verdauen müssen, ist ja weder das Scheitern dieser Gespräche, noch die minimal unterschiedlichen Meinungen der Gesprächspartner, sondern vielmehr die Neupositionierung der Partei und ihrer Führung. Das die Grünen “bürgerlich” können, haben sie ja bereits unter dem Sarkozy deutscher Operettenfürstenprägung, Schröder, eindeutig bewiesen. Indes man ist weitergekommen in der wohl einzigartigen Parteienevolution neuerer deutscher Politikgeschichte. Das “Nein”, das keines ist, könnte man ja durchaus auch als eine Aufforderung an die SPD verstehen. Aber da würde man der grünen Führung strategisches Denken unterstellen, was ja bekanntermaßen nicht aus dem Bauch kommt. Und solcherlei Kopflastigkeit hat sich diese Partei im Laufe ihrer Existenz nicht unbedingt schuldig gemacht. Nun wird vermutlich an der Basis mal wieder darüber nachgedacht werden müssen, was denn diese Friedefreudeeierkuchenpolitik der Partei an Vorteilen bringen soll, außer dem weiteren Verlust von Mitgliedern und Stimmen. Aber da liegt wohl das größte Problem der Grünen begraben, im tiefreichenden Unvermögen einer Führung, frischen Nachwuchs in der zweiten Reihe aufzustellen und diesem die Chance zu geben, wirkliche neue grüne, politische Ideen und Vorstellungen zu entwerfen und umzusetzen. Vermutlich ist das die neue Nachricht der Grünen, die heute Morgen so vielen Journalisten und Kommentatoren Verwunderung, ja konsterniertes Kopfschütteln abforderte. “Wir sind bürgerlicher als die Bürgerlichen.” Die politische Landschaft ist damit um einiges trister geworden und, wie die Geschichte lehrt, wird sich wahrscheinlich am grünen Rand dieser Partei in den nächsten Jahren eine neue Bewegung eine neue Partei etablieren, die, wie die Linken die SPD zu einer kleinen Partei unter vielen kleinen Parteien degradiert hat, die Grünen an sich gänzlich überflüssig machen.