Das Wetter und die Krise

So, seit gestern Abend ist es amtlich festgestellt und ausgestrahlt. Das verpönte “R” Wort wurde deutlich und klar, ohne Zögern und Umschreibung benutzt. 0 Wachstum im letzten Jahr, Arbeitslosigkeit steigend und der Zuschauer braucht kein Wirtschaftsweiser zu sein, um getrost prognostizieren zu können, spätestens nächste Woche wird irgendeine der Rating Agenturen das Königreich runterstufen. Vielleicht auch erst nächsten Monat. Glücklicherweise ist ja bis dahin vielleicht wenigstens das Wetter besser, denn das passte ja gestern wie die Faust auf Auge. Man konnte das wörtlich nehmen: Land unter! Aber man hatte auch gleich den “culprit”, den Täter, den Verursacher für die ganze Misere parat. Deutschland tut einfach nicht genug! Das Wetter, soweit kommt man der europäischen “Supermacht” ja entgegen, können sie ruhig so lassen wie es ist, aber die wirtschaftliche Situation Europas? Aber bitte schön, da können sie schon mal einiges erwarten die Briten. Zumindest könnten die Deutschen doch damit aufhören ewig Exportweltmeister zu sein, oder es doch wenigstens versuchen. Die könnten doch bei all dem Geld das die da anhäufen, anfangen mehr aus europäischen Staaten zu importieren, denn das würde die Wirtschaft dann mal richtig in Schwung bringen. Man ist ja mitunter versucht zu fragen, was denn da so die Vorstellungen sind. Etwa englische Würstchen?
“Die Deutschen haben doch eine ganz besondere Verantwortung gegenüber Europa”, hört man einige der neunmalklugen Experten, die die BBC (wer weiß von wo) immer mal wieder in die Studios schleppt, um sie dort ihre skurrilen Ansichten aufsagen zu lassen. Sie vergessen dabei allerdings immer zu erwähnen, wo denn genau diese besondere Verantwortung liegt oder wo sie herkommt. Es kann schon nachdenklich machen, dass Großbritannien sich eine der größten Armeen der Welt untererhält, mit der es sich in den letzten Jahren zwei immens teure Kriege erlaubte, und es ohne Not zuließ große Industrien untergehen zu lassen. Dazu genehmigte sich das Land eine der größten Baublasen der Geschichte, scheinbar besoffen von dem Gefühl, Preise für Häuser und Land könnten ohne jede Konsequenz immer weiter steigen. Nun, wo man im Regen steht kann man noch froh darüber sein, die europäische Währung seinerzeit nicht übernommen zu haben, denn bei der derzeitigen Situation stände das Land in Europa nicht besser da als Griechenland. Und natürlich hat man die wirklichen Verursacher dieser grassierenden Klammheit öffentlicher Kassen und der sterbenden Mittelschicht völlig ungeschoren davonkommen lassen, als von Deutschland, Frankreich und den anderen europäischen Staaten Solidarität eingefordert wurde. Die konservative Presse feierte diesen eigentlich schmachvollen Abgang der britischen Delegation und Cameron ja als Sieg über Deutschland und Frankreich. Nicht erst seit da hat sich die politische Schlechtwetterlage ausgeweitet und lässt einige (ganz egal ob Conservative, Libdem oder Labour) pudelnass dastehen. Aber keine Sorge, wenn es überhaupt nicht besser wird (mit dem Wetter) fahren wir nach Spanien, da wird ja jetzt alles wieder viel billiger, weil die den Tourismus brauchen, um wieder auf die Beine zu kommen.