Der Internationale Spießer

Ich dachte ja immer, deutsche Spießer wären so das schrecklichste, was man so innerhalb der menschlichen Spezies antreffen kann. Wie sich jetzt herausstellt hab ich da auch mal wieder falsch getippt. Nicht das ich ewig und andauernd falsch liege mit meinen Einschätzungen, aber manchmal haut man einfach daneben. Gibt bestimmt viele unter euch, denen das genau so geht. Ich auf jeden Fall mußte in den letzten Tagen feststellen, daß die Kategorie Spießer noch gesteigert werden kann durch den Begriff englische Spießer. Also um es dann vollständig zu machen können wir folgendermaßen vorgehen in der Steigerung: Spießer, deutscher Spießer, englischer Spießer. Nun ist es nicht so, daß ich in Neuseeland oder Australien oder Amerika oder Südafrika keine dieser Fehlentwicklung der menschlichen Evolution angetroffen hätte. Nein, natürlich treffen wir die auch dort an und natürlich ist es auch dort nicht angenehm mit ihnen zusammen zu sein. Egal, wie auch immer, den deutschen Spießern kann man auf jeden Fall immer noch zu gute halten, daß sie doch mehr oder weniger das Rückrad der Gesellschaft darstellen. Denn überlegen wir einmal, wenn der gute alte Otto Normalverbraucher morgen seine Arbeit einstellt und nicht mehr pünktlich um 7 oder um 7.30 in der Firma auf der Matte steht, wenn er nicht mehr jeden Freitag sein Kreuzchen auf dem Lottoschein zeichnet, wenn er nicht mehr jeden Abend pünktlich zur Heute Sendung oder zur Tagesschau vor der Glotze sitzen würde und wenn er nicht mehr alle zwei oder drei Jahre auf Geheiß der Gattin die Küche renovieren würde, wo bliebe dann ein Land wie Deutschland. Mal ganz davon abgesehen wo Spanien, die Türkei oder Italien oder möglicherweise die Dominikanische Republick blieben, wenn er sich plötzlich zu einem Individualurlaub in den Anden beim Mounteniering entscheiden würde. So, ist es nicht unser guter alter deutsche Spießer, der dafür sorgt, daß wir weiter produzieren und konsumieren können. Das gilt eben auch für all die anderen Nationen bis auf England. Da sieht die Sache denn doch ein wenig anders aus. Mit der Abschaffung der Bildung für die untere Bevölkerungsschicht, so denn diese jemals Bildung genossen hat, fällt in dieser Betrachtungsweise der Tatbestand der produktiven Kraft des, wir nennen ihn hier mal, Joe Average, vollkommen unter den Tisch, unter den er sich denn auch für gewöhnlich mindestens dreimal in der Woche säuft. In Bezug auf die Produktivität macht sich das natürlich in soweit bemerkbar, daß, wann immer man einem dieser Exemplare begegnet, sagen wir einmal in einem Elektrofachgeschäft (ich weiß, das klingt lächerlich ist aber die bittere Wahrheit) und ihn (kann auch eine sie sein) nach einem speziellen Artikel fragt in den meisten Fällen die Antwort oder Frage kommt “What?”. Spätestens dann setzt ein sich immer im gleichen Schema ablaufender Vorgang ein: Zunächst wird die Frage wiederholt, bzw vorgegeben, die Frage sei bedingt durch den ausländischen Aktzent nicht verstanden worden. Bei betont deutlich ausgesprochener Widerhohlung der Frage kommt es zu einem Monolog, der in etwa drei Sätze umfasst die etwa folgendes in der Übersetzung besagen: “Das kennen wir hier nich, hatten wir auch noch nie und wenn Sie sowas suchen, dann müssen Sie nach soundso gehen!” Es kann auch geschehen, daß der oder die Person überhaupt nicht in der Lage ist zu kommunizieren, da sie nur in der Lage sind mit Leuten aus ihrer Klasse, in ihrem Slang zu sprechen, wenn man es denn Sprechen nennen will. In solchen Fällen wird in der Regel jemand hinzugerufen, der der gleichen Kaste jener Spießer angehört, der allerdings ein Schildchen auf dem Revers trägt mit dem Hinweis “Manager”, der dann allerdings, nachdem er vorgegeben hat zu verstehen, den kleinen, oben erwähnten Monolg halten wird. Ich weiß, es ist auch nicht angenehm, wenn man in Deutschland in ähnlicher Situation von einem, an einen sogenannten Herrenmenschen erinnernden, breitbeinig positionierten Menschen in Kommandoton von den Möglichkeiten, die es in Bezug auf das erörterte Produkt gibt aufgeklärt wird. Was ich ausdrücken möchte, ist die mangelnde Produktivität für Betrieb und Gesellschaft bei der englischen Variante.
Ein zweiter sehr wesentlicher Aspekt bei der englischen Spezies ist die immer zu Fehlannahmen führende Freundlichkeit. Man sollte bei Zuvorkommenheit immer besonders auf der Hut sein. Wir alle kennen die Szenen aus englisch sprachigen filmen, in denen der Kunde etwas bemängelt, sagen wir in einem Restaurant und in der Küche dann, nachdem man sehr freundlich auf die Beschwerde des Kunden eingegangen ist auf die neuerlich zu servierende Speise spuckt oder andere ekelhafte Dinge damit anstellt. Diese Art der Freundlichkeit kann man in fast allen Fällen, in denen man versucht sein Recht als Kunde wahrzunehmen mit größter Wahrscheinlichkeit erwarten. Ähnlich verhält es sich in Nachbarschaften. Man grüßt freundlich, lächelt, hält ein Schwätzchen am Gartenzaun, steckt sich gegenseitig eine Weihnachtskarte in den Briefkasten, versucht allerdings bei der nächst besten Gelegenheit irgendein Fehlverhalten festzustellen, das einen in der Gewissheit bestärkt das örtliche Ordnungsamt einzuschalten, um den elenden Hund von Nachbarn endlich loszuwerden. Wohlgemerkt, das alles im Zsammenhang mit sporadischen Erscheinen bei der Arbeit, dem vergraulen von Kunden, dem Ausführen von Pfusch bei jeglicher Arbeit und dem Vortäuschen absoluter Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber, wobei zu jeder Zeit darüber nachgedacht wird, wie man diesen am besten verklagen könnte in der Absicht die möglichst größte Summe an Entschädigung dabei herauszuschlagen. Eine ganze Industrie von Rechtsanwälten hat sich darauf spezialisiert. BGR Bloomer zum Beispiel. Der Slogan ist “You might get compensation!”
Wir sehen, zu jeder erdenklichen Unzulänglichkeit, zu jeder kleinen Gemeinheit gibt es doch immer auch die nächst größere, die nächst üblerere. Was aber lernen wir daraus. Nichts, es wird immer so bleiben.