Dogma Westen und die Ukraine

Und wieder einmal hat der russische Präsident bewiesen, dass er das Spiel der Könige nicht nur auf dem Spielbrett meisterlich beherrscht. Als die Unruhen in der Ukraine begannen, war ihm vermutlich längst klar wohin die westlichen, bis zur peinlichen Selbstüberschätzung aufgeblasenen Natomächte, steuern würden. Als hätten die Amerikaner, die Briten, um nur die Vorreiter zu nennen, aus dem dilettantisch geführten Hinspiel in Syrien nur ihre schlechtesten Züge in Erinnerung behalten widerholten sie eben diese im Fall der Ukraine mit meisterhafter Unfähigkeit, oder soll man besser sagen, leichtfertiger Überheblichkeit.  Die Diplomatie des Westens hat entgegengesetzt zu ihrem Auftrag im Fall der Ukraine nicht nur Stellung bezogen sondern in sträflichster Weise Partei ergriffen, ohne auch nur ansatzweise zu verstehen, welche Brisanz, welchen Sprengstoff dieses Verhalten dem Konflikt beimengen würde. Eben dieses Verhalten stellt heute die beteiligten Politiker und Diplomaten vor die schier unlösbare Aufgabe Versprechen, die den ukrainischen Rebellen gegeben wurden auf der einen Seite einzuhalten, auf der anderen Seite, Russland davon abzuhalten,  sehr wohl berechtigte Interessen ganz speziell auf der Krim durchzusetzen. Die Mehrheit, zumindest des östlichen Teils der Ukraine war von vornherein nicht an einer Anbindung an Europa interessiert und wer im Ernst angenommen hat, Russland würde einer derartigen Anbindung  tatenlos gegenüberstehen, der glaubt vermutlich auch, dass Obama noch in seiner Amtszeit Guantanamo schließen lässt. Als Beobachter derartiger Stümpereien könnte man es gut sein lassen, den Fall als miserabel gelaufen bezeichnen, sich darüber amüsieren, wie der Westen, ähnlich wie nach dem syrischen Debakel, alle möglichen Ausreden findet, warum es nicht im Interesse der westlichen Welt liegt, die Ukraine ins gelobte Land Europas zu holen und es vielmehr den Russen zu überlassen. Dabei würde aber das wirkliche Grundübel, nicht nur dieser Misere, unangesprochen bleiben. Dem Übel der maßlosen Überheblichkeit.  Der gesamte politische, diplomatische und medienrelevante Verkehr zwischen dem Westen und Russland zeichnet sich aus durch tief eingeprägte Beißreflexe, die der Zeit des kalten Krieges entstammen und der Weltmacht Russland täglich vor Augen halten soll, das man eben nicht auf gleicher Augenhöhe verhandelt, sondern von Seiten des Westens immer von oben herab. Das zweite große Grundübel der westlichen Welt findet sich in dem tiefen missionarischen Glauben, der westliche Weg, der westlich christliche Weg, oder besser noch der westlich, christliche, kapitalistisch medienbestimmte Weg sei der einzige, der wahrhafte und von allen Nationen zu gehende Weg. Wir im Westen mit all unseren Atomwaffen, mit all unseren angeblich gleichen Chancen, all unseren angeblich gleichen Rechten, unserer angeblichen Rede- und Meinungsfreiheiten, wir haben den einzig wahren, den einzig richtigen und tugendhaften Weg gefunden und wir werden nicht ruhen, bis die ganze Welt nach unserem Bild und unseren Tugenden angefertigt ist. Hätte man diesen dogmatischen Glauben in der Zeit des Zusammenbruchs des Sowjet Reiches abgelegt und verstanden welche Möglichkeiten sich in der damaligen Zeit ergaben, hätte man verstanden, dass Partner nur dann wirkliche Partner sind, wenn man sie auch als Partner behandelt, würden wir heute nicht vor einem Problem wie der Ukraine stehen und hätte sehr wahrscheinlich etliche Konflikte von vornherein verhindert.