Ein Ausflug nach Devon

Bereits Julius Cäsar hat es in seiner Geschichte über den gallischen Krieg geschrieben , die Kelten haben ein Problem mit der Gastfreundschaft. Nun , im weitesten Sinne können wir das heute bestätigen wenn wir uns auf eine Reise durch England begeben. Das heißt ich möchte über einen kurzen Trip am Wochenende berichten, der mich nach Devon führte. Nicht dass England nicht eine Reise wert wäre, ganz im Gegenteil, und ganz speziell Devon. Wer sich beispielsweise mal auf einen Trip begibt von der Jurassic Coast bis runter in die Torbay vielleicht von da aus weiter bis nach Salcombe, wird neben den ganzen interessanten Fossil Funden sehr viele kleine, sehr pittoreske und wunderschöne Örtchen finden und dabei so manchen Schatz entdecken. Wer kleine kulinarische Abenteuer vermeiden will, wobei man, wie man sehen wird, sehr viel Geld sparen kann, dem sei geraten mit einem Wohnmobil zu reisen. Andererseits gibt es ja eine ganze Menge Englandliebhaber, die eben wegen der Exzentrik, der etwas verrückt anmutenden Verschrobenheit des Insel Volkes, besonders gern hier unterwegs sind. Nun, ich war an diesem Wochenende mit einem ganz normalen Auto unterwegs und habe mir Bigbury on Sea angesehen. Das ist jener Platz an der devonischen  Küste, dem die Insel Burgh Island vorgelagert ist auf die man bei Flut mit jenem wundersamen Gefährt fahren kann, das so beschaffen ist, dass die Räder im Wasser fahren und die Passagierkabine dem Wasserstand angepasst herauf und herunter gehoben werden kann. Auf der Insel kann man dann spazieren gehen, in ein Pub einkehren und eben das tun, was ein Kurzurlauber oder ein Urlauber so tut.

Danach bin ich zum Wonwell Beach gefahren und kann nur sagen, hier handelt es sich um einen absoluten Geheimtipp. Gerade jetzt im März findet man hier selbst an einem Wochenende wunderbare Erholung. Der River Erme fließt eben hier an der Red Cove ins Meer. Die Flut ging zurück und es war ein Schauspiel anzusehen mit welcher Macht das Wasser in Richtung Meer fließt. Übrigens ein Paradies für Seevögel und wer sein Beobachtungs- und Fotoequipment mitbringt kommt hier ganz auf seine Kosten.

Nach all der Ruhe fiel mir auf dem Weg zurück das Schild Hope Cove ins Auge und so fuhr ich auf der kleinen Straße in das verträumt, idyllisch gelegene kleine Örtchen. Bestens fand sich auch der Umstand auf das Hotel zu stoßen das eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen versprach.  The Cottage Hotel, sehr englisch, mit der Backbord Wand eines alten Kutters als Tresen, ein wenig Mief in der Lounge, aber mit einem wunderschönen Blick über die unterhalb gelegene Bay. England Experten werden es wissen, wenn man in England einen Kaffee und ein Stück Kuchen erwerben möchte, muss man sich zunächst an den Tresen stellen dort auf eine Bedienung warten, bestellen , und das ist wichtig, zunächst einmal bezahlen, bevor man dann seine Bestellung am Tisch entgegen nehmen kann. Man mag sich über den Sinn dieses Misstrauens gegenüber dem Kunden ärgern, oder es einfach nur so hinnehmen als eine jener englischen Extravaganzen. Für mich an jenem Tag erschien aber auch gar niemand hinter dem Tresen , beziehungsweise im Boot. Dafür tauchte zu meiner rechten eine Familie auf, deren jüngster Sohn soeben den riesigen Gong rechts im Gang entdeckt hatte, den er Lautstark mit der kleinen Faust malträtierte. Das, muss ich sagen kam mir nicht unbedingt ungelegen, denn ich hatte bereits an die 10 Minuten hier auf eine Bedienung oder einen Ober gewartet. Der schrecklich scheppernde Gong verursachte zwar die größte Erheiterung bei allen möglichen Gästen jedoch niemanden, der auch nur annähernd aussah als gehöre er oder sie zum Management, hervor. Geduldig, es war ja Sonntag und erst früher Nachmittag, wartete ich ein Weilchen weiter. Die Familie mit dem kleinen Randalierer hatte sich bereits im Vorraum versammelt und vereinzelt scherzte man noch über den schrecklichen Ton, der vor einigen Minuten meine Hoffnung auf ein Stück Kuchen und einige ältere Gentleman geweckt hatte, als der kleine Racker erneut rechts, unterhalb der Backbordseite des alten Kutters auftauchte und, richtig, erneut Schrecken in den ruhigen, verschlafenen Sonntag schepperte. Auch diesmal wurde meine Hoffnung auf jemanden, der sich meines Kaffeedurstes und meines Kuchenappetites angenommen hätte bitterlich enttäuscht. Dafür setzte es jetzt doch Schelte rechts hinter mir und der Störenfried wurde mit energischer Hand nach draußen geführt. Es waren mittlerweile 15 Minuten vergangen, das Schild zu meiner Rechten, dass auf Almond Tartelettes hinwies, die sich im darunter aufgestellten Glas als vertrocknete Sandgebilde herausstellten, sorgte ebenso wie die absolute Abwesenheit einer Bedienung für den Entschluss, Kaffeedurst und Kuchenappetit auf zuhause zu verschieben, selbst bei in Betracht Ziehung der 2 stündigen Heimfahrt. Alles in allem kann man dem Cottage Hotel auf jeden Fall bestätigen, dass es eines der billigsten Hotels in der Gegend ist, denn ich habe sage und schreibe zwanzig Minuten dort verbracht, eine wunderbare Aussicht auf die Bucht genossen, nebst der Clown Einlage des kleinen Randalierers und habe nichts, aber auch gar nichts dafür bezahlen müssen.

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Gerhard Klein

am 16.03.2015