Ein denkwürdiger Tag im tristen Inselleben

Seit langer Zeit ist man heute im Königreich mal wieder so richtig “amused”. Selbst der Premierminister trat offensichtlich beglückt vor die Kameras einer versammelten Medienwelt und erging sich neben der Gratulation in den schwierigen, rechtlichen Vorgängen, die endlich dazu beigetragen hatten, dass seit einiger Zeit die königliche Nachfolgeregelung auch ausdrücklich weibliche Thronfolger zulässt. Obwohl Presse und Rundfunk ausdrücklich darauf hinweisen, dass es unüblich ist, und hier schließlich Konventionen gebrochen wurden, indem der Prinz und seine Duchess Nachwuchs bereits im ersten Jahr ihrer Ehe gezeugt haben, Überschlagen sich die nationalen Blätter in Lobeshymnen, ohne natürlich zu vergessen, auf die leidliche Vergangenheit des derzeitigen Thronfolgers und seiner, zur Barbie Puppe für Royals hochstilisierten, verstorbenen Diana und der damaligen Situation zu zeigen. Die heutigen Tageszeitungen scheinen aus den Nähten platzen zu wollen von Bildern einer strahlenden, makellosen, überirdischen Frau, die doch nichts anderes sein wird, als das Gefäß einer in die Jahre gekommenen Royalty und deren Verlangen nach Nachwuchs.
Einzige erfrischende Ausnahme in der prallen, bunten und kitschigen Zeitungslandschaft bildet der Independent, der sich damit begnügt, das Fotografenheer vor dem Krankenhaus der an morgendlicher Übelkeit leidenden zukünftigen Mutter abzubilden. Aber der ist ja bekanntlich in russischer Hand und was will man da anderes erwarten? Das Paar, so wird berichtet wird in absehbarere Zeit (man fürchtet ein wenig um die Gesundheit der Duchess) umziehen, in das 24 Räume umfassende Appartement des königlichen Palastes. Ein belastendes Ereignis, welches, wie die Presse offensichtlich schon genau weiß, in die Monate fallen wird, in denen die königliche Mutter bereits hochschwanger der jederzeit möglichen Niederkunft entgegensieht. Die Leser(innen), die darauf mit möglich werdender Hysterie reagieren könnten, werden aber gleich wieder mit dem Hinweis beruhigt, dass die künftige Königsmutter in den allerbesten Händen königlicher Ärzte dem Ereignis ohne jede Furcht entgegensehen kann. Und morgen werden sich alle wieder um die anderen, die weniger wichtigen Dinge des Lebens kümmern. Der Premierminister wird sich wieder in seine Spagatstellung begeben in der er versucht, seine Euroskeptiker zu beruhigen und einen Austritt aus der EU als durchaus wahrscheinlich zu betrachten, bei gleichzeitigem Bestreben in Europa Einfluss zu behalten. Der LKW Fahrer wird sich wieder für einen Mindestlohn von 5.75 pro Stunde auf der Straße finden und sich fragen, wie er Hypothek, Auto und Kredite für die zu Weihnachten bestellte Couch bezahlen soll und beim Friseur um die Ecke werden die Mädels sich über eine alternde Kylie Minogue und deren Schminktipps unterhalten. Erst wenn die königlichen Eltern sich für einen Namen entschieden haben und den ankündigen, wird sich das triste Bild wieder ändern.