Ein Königreich für eine Handvoll Daten

Das Thema wird wohl nicht so schnell verschwinden und man darf jetzt schon gespannt sein, wer darüber seinen Posten verlieren wird. Damian Green, den Polizeiminister, könnte man sich gut vorstellen, wohl auch weil er es verdient hätte durch bodenlose Dummheit, schließlich hat er immer wieder darauf bestanden, dass es richtig gewesen sei, den Lebensgefährten Greenwalds nach dem Terrorism Act neun Stunden festzuhalten und zu Vernehmen, ja sich soweit verstieg, zu behaupten, es sei verhältnismäßig. Wobei Mr. Green durchaus seine eigene Festnahme und das eigene neunstündige Verhör 2008 gemeint haben könnte, wenn er das ins Verhältnis setzt mit einem ausländischen unbescholtenen Bürger. Die Schlapphüte vom Geheimdienst, die schon seit geraumer Zeit die Fantasien der James Bond Filme mit der Wirklichkeit verwechseln und in noch bodenloserer Dummheit die Festplatten beim Guardian mit Bohrern und Hämmern vernichten ließen, werden wohl mit einer Versetzung in die Abteilung zur Statistikerhebung der Fahrraddiebstähle wegkommen. Schließlich handelten sie ja nur auf die Anweisung von ganz oben, wo immer das ist. Mr. Prime Minister und seine Truppe unausgegorener School Boys und einiger Girls werden wohl glimpflich abkommen und den Schaden auf das Volk zu verteilen wissen. Und die Medien, angefangen bei der guten alten Tante BBC, bis runter (obwohl, weiter runter geht schon fast nicht mehr) zu den Tabloits, die strikt nach der Devise “was interessiert uns die Pressefreiheit, betrifft doch nur den Guardian” mehr über den Nachwuchs des Königshauses, als über die unsäglichen Vorgänge am Flughafen Heathrow berichteten? Die werden wohl am besten abschneiden, ohne jeden Verlust in den Redaktionen, bis auf den Vorwurf aus Gründen der Häme, der eitlen geschäftlichen Eifersucht und der Unfähigkeit, die ersten Tage einer ausgewachsenen Staatsaffäre verpennt zu haben und ihrem Ruf als Komplizen der Regierungsgang mal wieder sehr gerecht geworden zu sein. Vielleicht passiert aber auch gar nichts und selbst der Polizeiminister darf seinen Job behalten, die Außenministerin Theresa May, William Hague und David Cameron, alle eingeweiht in den Coup, stellen sich im Parlament hinter ihn und die Opposition, die ja auch nicht gerade durch überbordende Intelligenz aufgefallen ist in der letzten Zeit, begnügt sich mit ein wenig lauthalsigem Palaver.  Die Steilvorlage aber, die man mit diesem Fall all jenen totalitären Staaten geliefert hat, über deren rechtloser Politik und deren rechtloser Wegsperrung ihrer Dissidenten man doch so gerne stehen würde, diese Steilvorlage wird diesen noch lange Zeit Gelegenheit geben einem Land wie Großbritannien vorzuhalten, vor der eigenen Tür zu kehren, wenn englische Politiker mal wieder auf Menschenrechte oder die Pressefreiheit pochen. Die Geschichte, so schrieb einst Theodor Mommsen, hat für jede Sünde ihre eigene Nemesis.