Gesundheit! Amerika

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Der Mann wird sich vermutlich denken: “Hätten wir das Ding mal lieber nicht “Obama Care” genannt, sondern es bei seinem ursprünglichen Namen belassen!” Patient Protection and Affordable Care Act (PPACA). So wird das, als grandioses Werk des 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten gedachte Projekt, wahrscheinlich in die Geschichtsbücher eingehen als der größte Flopp in der Geschichte, zumindest des Gesundheitswesens des Landes der unbegrenzten Möglichkeiten. Wobei sich wieder zeigt, dass bei unbegrenzten Möglichkeiten auch die Fehler bei der Planung und Umsetzung der Gleichen unbegrenzt sein können. Dieser nun aufgetretene letzte Fehler einer nicht oder nur schleppend arbeitenden Website zur Registrierung wird das Reformwerk vermutlich in das Milliarden Dollar Grab befördern, das, wie in anderen Ländern auch, gern und bereitwillig von Politikern gegraben wird. Das mangelhafte Portal zur Registrierung hat, wenn man den einschlägigen Berichterstattungen glaubt, annähernd eine halbe Milliarde gekostet. Schwindelerregend? Nur wenn man gewöhnt ist, mit seinem Geld haushalten zu müssen, einer Eigenschaft, die, übrigens nicht nur in Amerika, wohl den meisten Parlamentariern abhanden gekommen ist. Wie in anderen Belangen wird dieser 44. Präsident der Vereinigten Staaten mit der gleichen Wahrscheinlichkeit in die Geschichtsbücher eingehen, als der “Präsident der halben Maßnahmen”, wie dazumal der Winterkönig als “Fahnenflüchtiger”. Es ist anzunehmen, dass die Berater sehr auf England und Kanada fixiert waren, deren National Health System bzw. National Health Insurance zwar kellertief in den Miesen vegetieren, aber der Bevölkerung das Gefühl geben, etwas Eigenes, etwas Besonderes nur ihnen, dem Volk gehörendes zu besitzen. Allerding, zumindest in Großbritannien, ein kommunistisch anmutendes Gebilde im Herzen einer, bis auf die Knochen, kapitalistischen Zweiklassengesellschaft. Keine gesonderten Sozialversicherungsabgaben, die vom monatlichen Einkommen abgezogen, sondern von staatlicher Seite steuerlich geltend gemacht werden. Letztendlich wäre das vermutlich eine Variante gewesen, die, obwohl teuer und am Ende nicht mehr bezahlbar (siehe Großbritannien), aber eine schlüssige, eine aus einem Guss, energisch durchgesetzte gewesen. Die jetzige, in die Hosen des Volkes gehende, in der man versucht Versicherungen und Versicherten, eine private Versicherung aufzuzwingen, wobei man bei Nichterfüllung der Vorgaben Strafen in Form einer Steuer erhebt und darüber hinaus noch Ausnahmeregelungen schafft, die selbst dem selbstbewusstesten Versicherungsanwalt das Grausen beibringen, scheint nichts weiter als die Kopfgeburt gutmeinender aber fantasierender Träumer. Eine halbe Maßnahme, die in nicht all zu ferner Zukunft reformiert werden muss, um diese Reformierung nach einiger Zeit wieder zu reformieren usw. usw. Wie viele andere Projekte Obamas und seiner Administration ist auch dieses auf redlichen und gutgemeinten Absichten gegründet, die dann jedes Mal durch Veränderungen, Nachbesserungen und vor allem durch Kompromisse das eigentliche Ziel und den Adressaten verfehlen. Theodor Mommsen hat Cicero das Talent “offene Türen einzurennen” und ihn einen “Staatsmann ohne Einsicht, Ansicht und Absicht” genannt, eine Einschätzung, die der erste schwarze Präsident sich in der Zukunft ebenso gefallen lassen werden muss. Wie in der antiken Geschichte gilt auch in der heutigen Zeit, ein guter Rhetoriker ist nicht auch unbedingt ein guter Taktiker, selbst wenn ihm ohne Zweifel bestätigt werden kann, er habe sich mit all seiner Energie auf das Wohl seines Landes konzentriert.
Es ist nicht sehr schwer, sich vorzustellen, was passiert, wenn ein Gesundheitssystem zentral gesteuert, von Subventionen an Versicherungsgesellschaften eine, allen Bürgern bezahlbare und gleiche Grundversicherung bieten soll. Das Beispiel England zeigt, dass ein solcher Verwaltungsmoloch beizeiten aus dem Ruder läuft und sich zu einem finanziellen schwarzen Loch mausert, um das herum zwar etliche Kontrollgremien schwirren, die dann ebenso zeitig dem zu kontrollierenden Objekt zum Opfer fallen. Zumal, um das Monstrum weiter füttern zu können, jegliche Selbstversorgung zum Einen nicht erwünscht ist, denn es würden zahlende Mitglieder fehlen und zum Anderen niemand einsieht, warum er nicht umsonst in Anspruch nehmen sollte, was er sonst teuer bezahlen müsste. Wenn man in England zur Zeit wohl auch versucht, die übelsten Missstände des Systems zu beseitigen, bleibt es dennoch Praxis, das der Millionär ebenso wie der Ärmste über geringe oder gar keine Abgaben an der Verschreibung von bspw. Ibuprofen, die man leicht für £0,30 an jeder Ladentheke kaufen kann, partizipiert. Ganz abgesehen von anti Schuppen Mitteln und dergleichen. Hat das englische System noch den Vorteil, dass sich an ihm lediglich die Pharma- und Geräteherstellungsindustrie als Lobby abarbeitet, käme in den Vereinigten Staaten bei der derzeit eingeführten Obama Care noch die Lobby der Versicherungsgesellschaften dazu. Wie gesagt, es ist nicht schwer sich vorzustellen wohin ein solch gigantischer Apparat driftet, zumal im Gegensatz zu Großbritannien 314 Mio Einwohner versorgt sein wollen im Gegensatz zu mal gerade 60 Mio im vereinigten Königreich. So wird das Vermächtnis dieses 44. Präsidenten eher nicht die Obama Care werden, die sich bereits jetzt überlebt hat, sondern der zweimalige Faststillstand des amerikanischen Staates und seiner Wirtschaft, ausgelöst durch dieses Reformwerk.