Gute Erhohlung

Wir waren im Termas Hotel abgestiegen, in Archea nicht weit weg von Murcia, wegen der Heilbäder dort, die ja angeblich schon die Römer benutzt haben. Ein durchaus nobles Hotel mit hohen Räumen, die auch im Winter kühl bleiben. Kein Krach, kein Strassenlärm dringt in diese Zimmer, denn die Straße unter dem Fenster lässt nur das Bimmeln der gegenüber liegenden kleinen Kirche zu.Verkehr ist gänzlich ausgeschlosssen und nur Ruhe und Erhohlung wird dem Bade- und Hotelgast zugemutet. Selbst lästiges Internetten kommt auf demZimmer nicht in Frage. Dazu geht der Gast in die Lobby, entweder in das Untergeschoss neben der Rezeption, wo es lecker nach den Essen der vorigen Tage riecht, oder eine Etage höher, wo viele Alte in trauter Gemeinsamkeit versuchen ihren mobilen Telefonen eine Internetverbindung oder eine sonstige Verbindung zu entlocken. Die Bäder liegen bequeme Gehminuten entfernt und schon in den Morgenstunden erfreut der Hotelgast sich an den Alten des Vorabends, die die schlaflose, durch erfolglose Internetverbindungen durchwachte Nacht, in ihren hoteleigenen Morgenmänteln krummbeinig und erregt schnatternd im überaus üppigen Früstücksaall kompensieren. Schon in einem Video in der Rezeption wird dem Gast die überaus angenehme Entspannung bspw. im Floatingbecken oder in der Zitronenzisterne nähergebracht. Die Bilder sprechen für sich, eine junge Frau lässt sich in den Armen eines ebenso jungen muskulösen Mannes ganz entspannt auf der Salzlake eines eigens dafür angelegten Beckens treiben, die Augen geschlossen, völlig dem Genuß des Augenblicks hingegeben. In der nächsten Szene, die gleiche Frau in einem mit Zitronen und Blumen angereicherten Wasser, diesmal ohne Mann, aber der gleichen Entspannung anheimgefallen. Was für eine angenehme Wärme den Gast dann, nachdem er in novemeberlicher Kälte, lediglich in seine Schwimmkleidung und den unvermeidlichen Morgenrock des Hotels gehüllt, das Bad nach einem langen Weg des Staunens, durch überaus geschmackvolle, allerlei Terakotta und andere Zierarten aufweisende, wohl gepflasterte Sträßchen, das Badehaus erreicht. Welch liebliche Ruhe ihn hier umfängt, lediglich unterbrochen vom Lachen, vom Schnattern der Alten aus dem Frühstückssaal, von tausend Duschen, Pumpen, Wasserschwällen, Hochdruckduschen und dem ausgelassenen Kreischen der gleichen Alten, die sich im Wirbel einer künstlich angelegten Rundverwirbelung, die sie in einem großen Kreis einmal aus dem Bad heraus, und gleich wieder hineinspült. Und dann erst die Entspannung in jener Salzlake, wo in gemütlicher Enge sich alle dem Genuß des sogenannten Floating hingeben und rücklings auf der Oberfläche treiben und gegeneinanderfloaten. Oder die überaus entrückende Erfahrung in 32 Grad heisssem Wasser, in einem Meer aus aufgweichten Zitronen, die Blumen waren wohl ausgegangen, sich den Lauten einer ganzen Badegemeinde zu ergeben. Nach der Rückkehr auf das Zimmer, wenn die Bimmel des gegenüber gelegenen Kirchturms die acht Schläge gescheppert, man Chlor und Salz aus den Poren gespült hat, beginnt der Genuß der abendlichen Unterhaltung. Man setzt sich bei einem Wein zum Bingo für eine Runde vor dem Abendessen, um gleich danach bis Mitternacht auf seine Glückszahlen zu warten. Erst wenn die Augen zuzufallen beginnen und der Bingoansager Schluss macht, begibt man sich in sein überaus geräumiges und küles Zimmer und freut sich auf einen weiteren Tag im Balneario in Archena.