I love Europe but I hate the EU

Man sieht diese kleinen Aufkleber hinten an den Autos immer öfter im vereinigten Königreich. „I love Europe I hate the EU“. Ein Häuschen in der Provence, eine Finca in Andalusien oder eine Eigentumswohnung in Berlin (nur so, als kleine Anlage und nicht etwa weil man dort Urlaub machen wollte), diese kleinen Annehmlichkeiten, nur für die, die in der Immobilienblase ihr Glück gemacht haben bzw. schon immer wohlhabend waren, versteht sich, nimmt man schon gern in Anspruch. Die anderen, die Habenichtse, die Tagein Tagaus in ihren kleinen miefigen und ungeheizten Häuschen hocken (Heizkosten sind mittlerweile zu einem unbezahlbaren Gut geworden), begnügen sich damit, einmal im Jahr oder einmal alle zwei Jahre in die europäischen Ballerburgen wie Teneriffa, Ibiza, Mallorca, oder womöglich zum Oktoberfest nach München zu fliegen, um sich dort unter anderen Habenichtsen wie die englische Queen persönlich zu fühlen. In der Zwischenzeit sollen sie sich von (am liebsten) englischen Fertigprodukten ernähren, für Mindestlöhne arbeiten, sofern sie sich dazu überhaupt eignen, und sich mächtig English (das erste schließt das zweite mit ein) fühlen. Keiner dieser beiden Bevölkerungsschichten scheint jemals die Erkenntnis aufgegangen zu sein, dass der fiskalische Topf Europas nur geben kann, solange man ihn auch befüllt. Aber in der Kunst des ewigen Nehmens sind die Briten ja nicht erst seit gestern wahrhafte Meister. Das zeigt sich in einem desolaten Haushalt genauso wie in einem Gesundheitssystem, das in seinen Anfängen als durchaus vorbildlich bezeichnet werden konnte, heute allerdings mehr einem erbärmlich kranken, völlig ausgezehrten Patienten ähnelt. Bis in die kleinsten Lebensbereiche hinein reicht diese allgegenwärtige Habgier. Die großen Supermärkte verstehen es blendend aus Ländern wie Spanien die billigsten landwirtschaftlichen Produkte einzukaufen, und selbst dann noch die Preise zu drücken, wenn den Produzenten das Wasser bis zum Hals steht, um diese Produkte dann im eigenen Land zu horrenden Preisen zu verkaufen. (das dadurch bedingt meist nur mangelhafte Ware in die Regale der hiesigen Supermärkte gelangt, wundert mittlerweile niemanden mehr) Die Politik zusammen mit den wirtschaftsbeherrschenden Handelsketten gibt sich den Anschein, als seien sie im nationalen Interesse sehr darum bemüht, hauptsächlich inländische Produkte zu verkaufen. So prangt der Union Jack Selbst auf Kartoffeltüten, Karottenverpackungen und Salatbeuteln. Das Interesse ist natürlich vorgeschoben, denn die Profite mit den Erzeugnissen aus den „ärmeren” südeuropäischen Ländern sind erheblich höher. Wen wundert es da, wenn der Patient im Gesundheitswesen zu allen Gelegenheiten versucht seinen Vorteil aus der (in Wirklichkeit nur vorgetäuschten) Freien Heilfürsorge zu ziehen und sich möglicherweise bereichert. (Es wird seit einigen Jahren über den vermehrten Handel mit verschreibungspflichtigen, Codein enthaltenden Präparaten geklagt). Versicherungsbetrug ist endemisch, (die Zahl der in Toilettenbecken gefallenen mobilen Telefone geht in die Hunderttausend) ebenso Diebstahl und andere Eigentumsdelikte. Die Politik versucht diese Plage durch härtere Gesetze und Strafen zu bekämpfen, vergisst dabei geflissentlich, dass durch ebenso endemisch geheime Steuern den einfachen Leuten oft gar keine andere Wahl bleibt, als zu schummeln, zu betrügen und zu kungeln, um überhaupt einigermaßen über die Runden zu kommen. Da hilft natürlich das allgemeine Feindbild und wenn man dazu heute nicht mehr die Muslime machen kann, denn eine große Bevölkerungsschicht ist muslimisch, oder den Deutschen, den Schwarzen, weil die Welt dazu nicht mehr geeignet ist, dann findet man eben Europa. Das heißt die europäische Union, denn wie anfangs erwähnt und auf den kleinen Aufklebern deutlich zu Schau gestellt, Europa lieben sie ja eigentlich alle. Wegen des Häuschens, wegen des Bierfestes oder wegen des billigen Alkohols in den Saufburgen des Mittelmeerraumes.