Karfreitag Tanzen?

Ja da dachte ich doch, die so aufgeklärte säkulare Bundesrepublik, hätte sich mittlerweile von den Schwarz und Rotröcken befreit und betrachtete in der Mehrheit Religion als eine, sagen wir, im Laufe der Geschichte in manchmal schlechte Gesellschaft gekommene Tradition, der man tolerant entgegenkommt, wie einem Kind, das noch viel lernen muss. Oder wie der Engländer dem Geisterglauben begegnet. Durchaus offen, aber mit einem Augenzwinkern und dem wissenden Lächeln des wissenschaftlich begabten Menschen. Nun mag es daran liegen, dass ich zu lange nicht da war, ja dass ich möglicherweise die Deutschen in den verklärten Farben der Moderne vor allem aber aus der Ferne betrachte und mir dabei völlig entgangen ist, wie mächtig nicht nur der Glaube sondern die Institutionen des Glaubens immer noch sind. Denn das kommt doch wohl nicht aus dem Hirn eines modernen jungen Menschen, dass man am Karfreitag nicht tanzen darf. Hätte mich hier in good old England jemand darauf angesprochen und mich gefragt, ob das richtig ist, hätte ich ihm Kopfschüttelnd gesagt: “No Sir, not in Germany, maybe in Spain or in Italy but in Germany…No!” Asche auf mein Haupt, von wegen moderne Gesellschaft. Das erinnert mich an meine Kindheit, da musste man ja an Karfreitag zum Lachen in den Keller gehen und wenn Musik, dann irgend einen frommen klassischen Schmonz. Stiller Feiertag, lese ich da nun heute, und freue mich darüber, dass auf Facebook und Twitter zum Ungehorsam aufgerufen wird. Würde sofort dabei sein und meine alten Knochen noch mal so richtig in Fahrt bringen auf dem Domplatz, wäre es nicht so weit, so teuer und so Sprit intensiv. Aber ich werde mal morgen die guten alten Stones ausgraben und Sympathy For The Devil sehr laut anhören, für euch da morgen auf der Domplatte.