Krisen

 

Welche Medien man sich dieser Tage auch ansieht, die Frage, die fast überall zuerst ins Auge spring, ist die Frage: “Was will Putin?” Heute morgen fragt die Süddeutsche welche der drei Wege der Kreml Chef denn nun einschlagen wird.  (“Putin hat in der Ukraine drei Handlungsoptionen: Einmarschieren, dem Zerfall beiwohnen, bis ihm ein Teil des Landes von selbst zufällt, oder sich zurücknehmen”) So, oder ähnlich hat man es schon in anderen Blättern von der Times bis zum deutschen Spiegel gelesen und wundert sich, warum die Russen sich unbedingt an die Szenarien, die der Westen, übrigens seit Jahren, in der Region betreibt, halten sollte. Der Zerfall des Landes findet ja nicht erst seit Ausbruch der Krise statt, unter wohlgefälligem Nicken des Westens mit der gleichzeitigen Inaussichtstellung gehobenen westlichen Lebensstandards, ohne den Willen, diesen wirklich jemals durchzusetzen. Einmarschiert, bzw. Aufmarschiert sind die westlichen Truppen ja auch nicht erst seit gestern. Und sich zurückzunehmen, zu deeskalieren ist nie eine Option des Westens gewesen, zumindest nicht in den letzten Kriegen und Krisen. Der Scherbenhaufen, aufgehäuft durch pure Macht-, Wirtschafts- und strategische Interessen, verpackt in Gutmenschentrallala und der Mär von der Durchsetzung von Menschenrechten, Bildung und Befreiung,  vor dem westliche Politiker heute stehen, wird vermutlich noch Generationen von Politikern allein mit der Aufarbeitung dieser Sünden beschäftigen und etliche Tyrannen ins Machtzentrum dieser sogenannten “befreiten” Länder spülen. Nichts Neues für den halbwegs politisch Interessierten, was sich in den Umfragen der Medien zum Thema Ukraine leicht ablesen lässt. Das Neue ist das Schreiben der weichgespülten Mainstream Medien gegen ihre Leserschaft, die partout nicht einsehen will, dass der böse Zar aus dem Osten, durchgeknallt wie er nun mal ist, die neue Weltordnung zugunsten eines russischen Weltreichs anstrebt. Das Rauschen im Blätterwald hat sich mittlerweile zum wilden Orkan ausgewachsen, der, fleißig unterstützt von unheimlichen Geheimdiensten, Geheimdiplomaten, Geheiminformanten und allem Anderen, das unter der glänzenden Fassade fleißiger Kerrys und Ashtons bereits Schützengräben aushebt, schon das Baltikum, neben Osteuropa in den Klauen des russischen Bären sieht. Da wirken selbst Autoren wie Jakob Augstein wie Fremdkörper, der in seiner Spiegel Kolumne schreibt: ‘Der Westen nutzt die Ukraine-Krise, um sein Lager zu ordnen. “Wie hältst Du es mit Putin?” wird zum Lackmus-Test westlicher Vasallentreue, zur neuen Gesinnungsfrage. Wer nicht an der richtigen Stelle klatscht, wird als “Putin-Versteher” beschimpft und muss gleich auch erklären, wie er zu Putins Schwulen-Politik steht – und der Vorwurf des Antiamerikanismus liegt ohnehin nahe.’

‘Washington erwarte, dass Russland derUkraine bei der Lösung des Konflikts entgegenkomme. Konkret forderte er unter anderem, dass die russische Regierung die prorussischen Separatisten im Osten der Ukraine öffentlich zu einem Abzug auffordert’, hörten wir am Wochenende und der von diplomatischen Desastern zu diplomatischen Katastrophen weltjettende US Außenminister vergaß bei seinem Telefongespräch vermutlich mal wieder, was er da eigentlich unterschrieben hatte bei dem so hochgelobten “ersten Schritt zur Deeskalation” in Genf. Bei dem verzweifelten Versuch, den westlichen Mainstream Medien in die Feder zu diktieren, “Amerika und der Westen sind Gut, Russland und Putin sind schlecht”, entsteht ja zur Zeit der Eindruck, dass das diplomatische Corps des Westens nicht mal mehr in der Lage ist, Verträge und deren Inhalt zu verstehen. Denn anders ist es ja wohl kaum zu verstehen, dass man zunächst völlig verdattert und mittlerweile völlig kaltschnäuzig den Passus mit den Extremisten lediglich auf die russische Seite angewendet wissen will. Diplomatisches Geschick lässt sich hier auf jeden Fall mit dem besten Willen nicht erkennen.

Charles Krauthammer prägte den Begriff:  “the acute onset of paranoia in otherwise normal people in reaction to the policies, the presidency—nay—the very existence of George W. Bush” (Übersetzung: “ein akuter Paranoiaanfall bei ansonsten normalen Leuten hinsichtlich der Politik, der Präsidentschaft – ja sogar der bloßen Existenz von George W. Bush”) , …den man heute wohl in folgender Abwandlung auf Barack Obama anwenden könnte: the acute onset of Symphyse  in otherwise normal people in reaction to the policies, the presidency—nay—the very existence of Barack Obama. Übersetzung: ein akuter Sympathie Anfall bei ansonsten normalen Leuten hinsichtlich der Politik, der Präsidentschaft – ja sogar der bloßen Existenz von Barack Obama. Damit ließe sich vermutlich am ehesten erklären, warum diese amerikanische Administration eklatant einen nach dem anderen politischen und diplomatischen Porzellanladen wie der berühmte Elefant verlässt, ohne jemals peinliche Fragen von Seiten der westlichen Medien beantworten zu müssen, geschweige denn, sie überhaupt gestellt zu bekommen. Eine ähnliche Irrationalität hat sich bei vielen Journalisten in der heutigen Zeit breitgemacht, wenn es darum geht, irgendeine Revolution, irgendeine Unruhe oder einen Aufstand gleich zum Freiheitskampf schlechthin auszurufen und das Engagement Amerikas, der Nato, der UNO, OSZE zu fordern, ohne überhaupt die Frage zu stellen, was denn bei einem solchen Engagement herauskommt. Die Einmischung in die Angelegenheiten der Länder auf diesem Planeten, so haben es die Politiker gerade der westlichen Welt in den letzten Jahren von gutmeinenden Medien getrieben erfahren müssen, bedeutet eben auch immer, Stellung zu beziehen und das kann, wie man im Falle Syrien gesehen hat oder jetzt im Fall der Ukraine sieht, unabsehbare Folgen haben für das betroffene Land aber ebenso für denjenigen, der sich einmischt. Es ist damit ja keineswegs gefordert, sich überall herauszuhalten, aber doch zumindest zunächst einmal alle Eigeninteressen hintenan zu stellen und sich ernsthaft zu fragen, ob das angestrebte Ziel im Verhältnis zu den Opfern steht, die dieses Ziel fordern wird. Allein diese genaue Prüfung hätte vermutlich bereits zu diesem Zeitpunkt Menschenleben gerettet und viel Elend verhindert.