Merkwürdigkeiten in merkwürdigen Konflikten

 

Seit einiger Zeit kommt sich der Zuschauer und Leser der westlichen Medien, man entschuldige den Ausdruck, aber ein anderer kann nun wirklich nicht mehr angewendet werden, verscheißert vor. Zuerst wird einem verschwurbelt erklärt, das ein amerikanischer Geheimdienst Chef nur so, weil gerade seine Reiselust auf Ukraine gepolt war, nach Kiew gejettet war und sein Besuch nun aber auch gar nichts mit dem dortigen Konflikt zu tun habe. Jetzt sind einige OSZE Mitglieder in die Gewalt prorussischer Separatisten geraten. Aber nein, muss man nun hören, das sind gar keine Mitglieder der OSZE und die haben auch gar nichts mit der eigentlichen OSZE Mission zu tun und die befinden sich nicht auf ukrainischem Boden, weil sie durch die Genfer Beschlüsse dorthin berufen wurden, sondern aufgrund eines plötzlich hervorgezauberten “Wiener Abkommens” von 2011, über militärische Transparenz. Man kann mal davon ausgehen, dass diese Leute absolut kein Mandat hatten. Peinlich, dass sie sich so dämlich anstellen und in die Gefangenschaft der, angeblich von Moskau gesteuerten, Separatisten geraten. Wieder muß erklärt werden, wieder wird gelogen, dass sich die Balken biegen und die Medien drucken einfach ab, was ihnen da in die Feder diktiert wird. Keine Frage, kein bissiger Kommentar noch nicht einmal der Ansatz zu einer Recherche, so sieht es zumindest aus. Na, als was anderes soll denn diese Clowntruppe von den Aufständischen bezeichnet werden, wenn nicht als Spione, Waffenlieferanten und Anschieber des Konflikts Ukrainer gegen Ukrainer?

Der Sender RT strahlte vorgestern eine Pressekonferenz mit der Sprecherin Obamas aus, in der die Journalistin von RT noch einmal die Frage stellte, warum denn jener CIA Mann gerade zu dem Zeitpunkt in Kiew war. Die Reaktion der Befragten gab genau das Bild von einer Administration wieder, das die amerikanische Politik zur Zeit so gerne von Russland zeichnet, und man kann sich nur wundern, warum die westlichen Medien nicht auf die Idee kommen derlei Merkwürdigkeiten genauer zu hinterfragen. Was der damaligen Bush Administration ihre Massenvernichtungswaffen im Irak waren sind heute die angeblichen Beweise einer von Moskau gesteuerten Unterwanderung der Ostukraine und die ebenso angebliche Lüsternheit des Kreml Chefs sich vom Baltikum bis Bulgarien gleich ganz Osteuropa  und sogar mal eben  Polen einverleiben zu wollen. Es ist wohl eine der interessantesten Fragen der letzten Woche, was man denn wohl damit bezwecken will, wenn man einer randalierenden, der finanziellen Schwindsucht anheimgefallenen Übergangsregierung in Kiew nicht ins Wort fällt, wenn die vom dritten Weltkrieg faselt und im Übrigen alles aber auch alles erdenkliche tut, einen Bürgerkrieg anzufachen, der Russland selbstverständlich mit einbeziehen muss. Übrigens ein Fakt, der den westlichen Mächten bereits bei den Kundgebungen auf dem Maidan bekannt gewesen sein müsste. Die USA haben schon in wesentlich weiter entfernte Weltgegenden interveniert, wenn es um ihre Interessen ging.

Wenn sich die Vorgänge um den Einmarsch im Irak als ungeheuerlich erwiesen haben, so werden sich die Umstände, die zu diesem, vermutlich noch über Jahre schwelenden Konflikt mit schwersten Auswirkungen auf den Frieden in Europa geführt haben als die dümmsten und unnötigsten erweisen.