Nebengeräusche von der Insel

Das wohl lauteste und verständlichste Nebengeräusch der schallenden Ohrfeige, die der englische Premierminister gestern Abend empfing, war die über den großen Teich gerufene Frage: Welchen Nutzen hat ein Bombenangriff auf Syrien, wer profitiert davon und was wird damit geändert. Auch wenn das desaströse Abstimmungsereignis für Mr Cameron, seiner eigenen Arroganz und fehlendem politischen Fingerspitzengefühl geschuldet ist, und vermutlich ausdrückt, dass das Parlament es satt hat, den selbstgerechten Allüren ihre Premiers zuzusehen, man denke nur an den Vertrauensverlust durch die eben zurückliegende Festnahme des Greenwald Lebensgefährten, ist hier wohl etwas geschehen, das tiefer greift und viele Abgeordnete an das erinnerte, was ihr eigentlicher Job ist. Nämlich denjenigen in den Arms zu fallen, die meinen, ihre Moralvorstellungen, ihr Sinn für Gerechtigkeit und ihr politisches Weltbild sei das ultimativ Richtige und rechtfertige jeden noch so unausgegorenen und voreiligen Schritt bis hin zu einem Militärschlag, dessen Folgen weder absehbar noch überhaupt kalkulierbar sind.

Die Zerknirschung war dem englischen Regierungschef anzusehen, als er die Worte gebrauchte “I got it!”  Die Frage ist berechtigt: Wirklich? Hat er es wirklich mitbekommen oder war das eher wieder die trotzige Reaktion des gekränkten, unverstandenen “Genies”, der weiß was wirklich richtig und gut ist für sein Volk und sein Land. So wie er wusste, das es richtig und gut ist für das Land, eines der höchsten demokratischen Güter, die Pressefreiheit, auszuhebeln und anordnete, Geheimdienstmitarbeiter die Festplatten im Guardian zerstören zu lassen. Schon da hätte eine schallende Ohrfeige gutgetan, indes sie blieb aus zum Schaden der Demokratie und des Landes. Es bleibt zu hoffen, dass die jetzt verabreichte Lektion in irgend einer Form Wirkung zeigt und das in den letzten Jahren angerichtete internationale Trümmerfeld zumindest erkannt worden ist. Eines der größten Fehlurteile der englischen Außenpolitik zusammen mit dem wichtigsten Verbündeten Amerika, ist vermutlich die Annahme, man befinde sich noch in den Zeiten des beginnenden Millennium,  in den Zeiten eines George W. Bush, lediglich die Köpfe im Westen seien ausgetauscht worden durch weisere, jüngere und solche, die Popularitätswerte erreichen wie sonst nur Schauspieler und Musiker. China ist nicht mehr das China von 2003, ebenso Russland, Indien, Brasilien und andere südamerikanische Staaten. Die Pfunde mit denen ein G.W. Bush oder ein Tony Blair noch wuchern konnten sind geschwunden, leichtfertig vertan durch Inkonsequenz, Unaufrichtigkeit und Selbstüberschätzung. Erst wenn die westlichen Staaten gelernt haben mit allen Staaten der Welt in gleicher Augenhöhe zu diskutieren, wenn die unsägliche Arroganz verschwunden ist und man in der Lage sein wird sich von Partner zu Partner zu nähern, wird es vermutlich möglich sein, eine wirkliche Weltpolizei zu schaffen, einen Vertrag Aller mit Allen, der es den Völkern ermöglicht, auch im eignen Land in Ruhe und geschützt vor Tyrannen wie denen eines Assads zu leben.  Die erste Voraussetzung dafür aber dürfte sein, sich über demokratische Grundrechte bewusst zu werden und sie nicht selbst mit Füßen zu treten.