Neun Stunden Königreich und was folgt

“…Der Fall von David Miranda, der neun Stunden auf dem Flughafen London-Heathrow festgehalten wurde, sorgt weltweit für Schlagzeilen…”

So oder so ähnlich klingt es heute in den deutschen und ausländischen Blättern bezüglich der (ja wir haben mittlerweile einen Namen) “Festplatten Affäre” . Da hat vermutlich mal wieder keiner der deutschen Journalisten in die  BBC News geschaut, sonst wäre denen aufgegangen, das dieser Fall zumindest in England nicht für Schlagzeilen sorgt. In der abendlichen Presseschau, die die BBC allabendlich um 10.30 Uhr abhält, unterhielten sich die beiden Journalisten und die Moderatorin zwar über (übrigens) die einzige Titelgeschichte zu dem Thema, die, jeder wird es erraten, im Guardian steht. Die drei verwendeten etwa zwei Minuten, um das Thema abzuhaken und der einzig bemerkenswerte Punkt der Unterhaltung war der Einwurf eines der Teilnehmer, das er verwundert darüber sei, dass man hier den Terrorism Act herangezogen hätte und nicht den Espionage Act. Danach verwendeten drei Journalisten (wenn man sie denn so nennen soll) die Zeit der Presseschau für einen Artikel über den Prinzen und seinen kürzlich eingetroffenen Nachwuchs. Über ein Bild, das Vater, Mutter und Kind, mit dekorativ eingesetztem Hund zeigte und vom Schwiegervater des Prinzen aufgenommen worden sein soll, verplapperten diese (vermutlich) hochkarätig ausgebildeten Fernseh- und Presseleute, die vom Zuschauer teuer bezahlte Sendezeit. Es kann getrost darauf gewettet werden, dass die drei die gesamte Sendezeit darauf verwendet hätten, wenn ein Tabloit Schreiber festgenommen worden wäre, weil er illegal erworbene, kompromittierende Informationen bezüglich irgendeines Gangsters mit sich geführt hätte. Noch interessanter wird es heute, nachdem die lapidare Begründung der eingesetzten Behörden davon faselt, die Festnahme und die (neun stündige!)Befragung sei notwendig und angemessen gewesen und wenn bekannt wird, dass die Schlapphüte mittlerweile in der Redaktion des Guardian aufgetaucht sind und dort Festplatten zerstören ließen.

Es ist vermutlich dies der so laut und schrill verkündete Untergang der Printmedien bzw der Nachrichtenmedien schlechthin, das Staatsangepasste Berichten durch Schönen, Weglassen oder gar Nichtberichten, um auf der anderen Seite durch nichtssagenden Journalismus dem kleinkarierten Geist zuzuarbeiten mit schönen Bildern und trivialen Stories, die nichts bedeuten. Leser und Zuschauer sind möglicherweise (noch) nicht ganz so verblödet, wie es diese Zeitungen und Sendeanstalten gerne hätten und zappen weg, bzw. kaufen das Blatt nur noch hin und wieder. Es zeigt sich, und ganz besonders an diesem Fall und ganz besonders in Großbritannien: Die richtigen Fragen werden nicht mehr gestellt, die Prioritäten sind verschoben und verzerrt, die eigentliche Aufgabe der Presse, der Medien wird nicht mehr oder unter den falschen Prämissen wahrgenommen und die ethische Bedeutung des Berufsjournalismus ist bis zu Nichtwahrnehmung geschrumpft. So erwächst hier auf der Insel aus dem Skandal einer eindeutigen Rechtsbeugung ein anderer noch gravierenderer, der Untätigkeit bzw. der Anpassung der Medien gegenüber unrechtmäßig handelnden Institutionen, der Profitgier, der Häme und der Unverantwortlichkeit geschuldet.