Olympia

So, da brennt sie also die olympische Flamme. Nach all den Peinlichkeiten um die Sicherheit der Spiele, dem Fauxpas des amerikanischen Präsidentschaftsbewerbers, der unmöglichen Flaggenverwechslung der südkoreanischen mit der nordkoreanischen Flagge, sieht sich der Zuschauer bei der Eröffnungszeremonie wohl der größten Peinlichkeit gegenüber. Vermutlich sollte man zurückkehren zu der antiken Tradition und die Spiele an einem festgesetzten Ort austragen. Das würde vielleicht dazu beigetragen dem Spektakel, dass ja ohnehin zu einer reinen Werbeveranstaltung verkommen ist, zumindest den Charakter der miesen Zurschaustellung der angeblich so hochstehenden Eigenschaften des Gastgeberlandes zu nehmen.
Vieles was wir da am Abend der Eröffnung geboten bekamen , zeigte uns eine Mischung aus pompös sentimentalen, kitschigen, ja an faschistische Aufmärsche erinnernden, schwülstige Aufführungen choreografiert von jemandem der offensichtlich schon lange jeglichen Bezug zur Realität verloren hat. Aber, es steckt ja ein Auftrag dahinter und zwar ein handfest politischer Auftrag.
Man hätte dieses Ereignis “England 2012” oder “Großbritannien 2012” nennen können aber dem Kenner des Inselreiches wird vermutlich bewusst sein, dass mit der Bezeichnung London das gesamte Inselreich gemeint ist. Wie im täglichen Leben zählt das übrige Land gar nicht, und ist nur Beiwerk beziehungsweise belächelte Provinz, deren hauptsächliche Aufgabe darin besteht London mit dem zu versorgen was es braucht.
Es ist vermutlich kein Zufall das britische Politiker London eine ähnliche Bedeutung zumessen, wie römischer Politiker im antiken römischen Reich der eigentlichen Stadt Rom zumaßen. So sollte also zum Auftakt dieser Spiele das Zentrum des Königreiches und damit das Herz des gleichen, dass wie wir alle wissen bereits seit einigen Jahrzehnten dem Siechtum anheimgefallen ist, revitalisiert werden, koste es was es wolle. Und wir alle wurden Zeugen, dass es keiner kommunistischen Diktatur bedarf, keiner Diktatur eines garstigen Tyrannen irgendeiner Bananenrepublik, sondern lediglich der großkapitalistischen Clique eines siechen Königtums, sich auf Kosten eines ganzen Landes, einer ganzen Bevölkerung in seiner vermeintlichen Großherrlichkeit zu präsentieren. Eine gleich geschaltete Presse und Medienlandschaft sorgt dabei für die richtige Stimmung und gibt dem Volk damit ein Gefühl von besoffenem Stolz. Da wird der vierte, der dritte, der zweite Platz mit einem Mal viel erstrebenswerter als der eigentliche Sieg, ja, der Sieger wird nicht einmal mehr erwähnt, denn letztendlich zählt nur, was “Team England” alles erreicht hat. Konnte sich der Betrachter olympischer Spiele der Vergangenheit lediglich über die Verlogenheit der eigentlichen Absichten dieses Spektakels ärgern, so bekommt er heute praktisch gratis das Fürchten hinzu. Denn wenn er genau hinschaut findet er sowohl in der Zelebrierung, als auch in der Berichterstattung sehr verdächtige Parallelen zum ehemals nationalsozialistischen Deutschland.