Pilze

Extremadura, Spanien im November.
Lange ist es her, dass ich gut gegessen habe. Auswärts, meine ich, denn zuhause klappts ja immmer noch, wenn ich selbst Hand anlege. Aber wie es so ist, manche Tage wünscht man sich in einem Restaurant zu sitzen, sich auf etwas zu freuen, das man nicht selber machen kann, oder sagen wir besser, nicht besser machen kann. Im Land der unbegrenzten Unmöglichkeiten, oder auch England genannt, in dem Tafelfreuden sich im Genuss von Fertignahrung, zusammengepfuscht von ahnungslosen, bis hinterhältigen Essensverderbern erschöpfen geht das natürlich gar nicht. Da bleibt man besser am eigenen Herd und versucht mit den bescheidenen Mitteln, die einem die örtlichen Supermärkte zugestehen, halbwegs geniesbare Speisen zuzubereiten, was ja, bedingt durch das durchaus als mangelhaft zu bezeichnende Angebot an frischen Waren, schwierig genug ist. Für jemanden vom Kontinent, wie man das auf dieser Insel zu nennen pflegt, drängen sich ja oftmals unschöne Vergleiche mit ehemaligen anderen Mangelgesellschaften auf. Die DDR der ungeliebten Vergangenheit deutscher Bewohner der Insel ist da ein gängiger Vergleich. Heute gibts Klopapier reichlich, dafür keine Orangen. Morgen gibt es Fisch, dafür nur Klopapier, das an wieder verwendbares Schmirgelpapier erinnert und Übermorgen gibt es nur englische Käseerzeugnisse, die immer an etwas erinnern, an das man nicht gern erinnert wird. Da ist es natürlich nicht immer leicht etwas zu kochen, das oben gut reingeht und unten… na ihr wisst schon. Vermutlich hat es mit diesen Umständen zu tun, dass man, wenn man, so wie ich, für ein paar Tage nach Spanien fährt, an allen Ecken und Enden Engländer trifft.
Heute jedoch in Aracena in der Extremadura habe ich, ich konnte mein Glück kaum fassen, keienen einzigen angetroffen und konnte die Pilze, es ist gerade Pilzzeit hier besonders geniessen. Und wie man diese Speise geniessen kann, nie gehörte Namen, nie gekannte verschiedene Düfte, abgerundet mit bestem Olivenöl, Konoblauch und anderen Gewürzen, dazu winzige Wachtelspiegeleier und, um dem Ganzen die Geschmackliche Krone aufzusetzen, ein paar Scheiebn Jamon Serano de Pata Negra mit ein wenig Weissbrot dazu. Wir werden wiederkommen und für eine kurze Zeit vergessen, das es so etwas wie die englische Küche gibt.