Rechte Schätze

Wo der 80 jährige geblieben ist, so steht es heute im Spiegel, ist für den Staatsanwalt nicht relevant. Dringender Tatverdacht, Fluchtgefahr, alles nicht gegeben. In der offensichtlich ausgelassenen Stimmung der Medien und, offensichtlich, der Staatsanwaltschaft, man spricht von einem Jahrhundert Fund, ja, von einem Milliarden Schatz, ist plötzlich kein Platz mehr für den Eigentümer, denn das ist Cornelius Gurlitt immer noch: Eigentümer. Man fragt sich, wo denn bitteschön die rechtliche Grundlage für die Beschlagnahme der Kunstwerke hergezaubert wurde, wenn kein dringender Tatverdacht für irgendetwas besteht. Die Steuerhinterziehung kann es ja nicht sein, denn die würde die Beschlagnahme ja nur rechtfertigen, wenn bewiesen ist, dass aus dem früheren Verkauf von Bildern Einnahmen nicht versteuert wurden. Gibt es dafür Beweise? Der verschmitzte Staatsanwalt, der vermutlich mit den entsprechenden Stellen ebenso verschmitzt mal wieder ein wenig das Recht gebeugt hat, lässt sich dazu ja nicht aus. Denn selbst wenn Steuern hinterzogen wurden, müsste ja zunächst einmal ein Strafverfahren eingeleitet werden und ganz bestimmte Voraussetzungen dafür vorliegen, die Bilder aus dem Eigentum des Beschuldigten zu beschlagnahmen. Die wirklich interessante Frage, die die Medien mal wieder zu dämlich sind zu fragen ist doch die: was wäre mit den Bildern, würden sie sich im Besitz einer wohlhabenden Person aus dem Mittelstand, oder gar aus der höheren Klasse der Gesellschaft befunden haben?
Die lächerliche Geschichte, Zollfahnder hätten Cornelius Gurlitt mit 9 000,- Euro beim Grenzübertritt von der Schweiz nach Deutschland angetroffen und da begonnen, ihn zu observieren, zeugt auf jeden Fall auch eher auf die Tatbestände der Rechtsbeugung und der Unverhältnismäßigkeit. Man kann sich sehr bildhaft vorstellen, wie die Zollfahnder einen 76 jährigen dazu gebracht haben, ihnen den Inhalt seiner Taschen anzuvertrauen. Die Jungs, denen wir den Schatz überhaupt zu verdanken haben, werden diesen Fahndern vermutlich nicht unähnlich gewesen sein.
Aber damit die ganze Geschichte das rechte, immense öffentliche Interesse bekommt wird von Raubkunst geschwafelt, von entarteter Kunst, von Jahrhundert Kunstschatz, dem Vater Gurlitts als dubiosen Kunsthändler, überhaupt dieser dubiosen Familie und nur am Rande darüber berichtet, dass der Mann lediglich verdächtigt wird, Steuern hinterzogen zu haben. Da kann man dann auch schon mal ganz vergessen, dass der Vater, von dem die Gemälde offenbar auf den Sohn vererbt wurden, selber jüdischer Abstammung war und vermutlich in der Nazi Zeit seine Probleme hatte.
So ist die Nation mal wieder um einen Schatz reicher geworden, dass heißt, die wirklich Reichen werden sich vermutlich in der nächsten Zeit in Versteigerungen um die Exponate schlagen und weder einmal bewahrheitet sich der Satz, das Recht noch lange nicht auch Recht ist.