Sind die Briten noch zu retten?

Der Independent brachte am 27.Dezember einen Artikel zu Herman Van Rompuy’s “Bemerkungen” im Vorfeld zu David Cameron’s, auf der Insel mit Spannung erwarteten, Rede zur Strategie der Britischen Regierung (und damit der Konservativen) in Bezug auf das Verhältnis Englands zur Europäischen Union. Der Artikel ist hier zu lesen.
Interessanter als der Bericht des Independent sind jedoch die Kommentare, von denen ich hier mal einige einstelle.
“Cameron isn’t required to “stand against Europe”. He is required to govern Britain properly, and not allow Britain to be overwhelmed by the cost and bureaucracy of supporting a vast incoherent gang of countries whose only real commonality is that they’re on the same part of a continent. The people of Britain are fed up with the abuses, inefficiency and self-importance of Euro-politicians like Rompuy and many (if not most) want relief from them. We’ve managed well as an independent nation for centuries. It’s not coincidental that since we joined the EU we’ve been in catastrophic decline and have had to look after millions of foreigners.”
Die 10 A’s. Die Kunst der Anwendung dieses Lehrsatzes ist sprichwörtlich im Inselreich:
Alle anfallenden Arbeiten abschieben auf andere, anschließend anscheißen aber anständig.
Im vorliegenden Kommentar meint der Schreiber Ineffektivität, Selbstgefälligkeit, ja selbst die eigens durch englische Politiker verschluderten vor hundert Jahren möglicherweise einmal florierenden Betriebe gehe auf das Konto irgendwelcher Europapolitiker. Wobei er oder sie ganz geflissentlich vergißt, dass in keinem anderen europäischen Land der Leitsatz: “Nach mir die Sintflut” so ausgiebig gelebt wird, wie im ehemaligen Empire. Infrastruktur? Mittelalterlich! Sozialversorgung? Nicht oder nur rudimentär vorhanden. Krankenhäuser die so alt sind, so ungepflegt und so katastrophal geführt, dass einem ausländischen Kranken schon mal Pickel wachsen können, wenn er oder sie nur in die Nähe einer solchen Anstalt geraten. Esskultur? Kann man vergessen, wenn man nicht gerade in Abenteuerlust verfallen ist und eine touristische Unmöglichkeit wie London besucht! Kultur insgesamt? Wenn man auf Schlägereien saufender und randalierender Lagerloud’s steht vielleicht zum Studium soziologischer Fehlentwicklungen interessant. Ein Land eben, dass jegliche Entwicklungen eines modernen Staates (man könnte meinen) absichtlich versäumt hat. Das alles wäre ja nichts Besonders, nichts von Bedeutung, wäre da nicht dieses Grundgefühl, diese grundsätzlich Ansicht, die immer wieder durchscheint, wenn es um Europa geht:
“I want the UK to be self governed and not run by the losers of ww2, we fought for their independence now they want to take ours off us. i am sure we could be the 52nd 53rd or 54th state and be better off…”
Und da wird es dann tatsächlich spannend, denn da haben wir es wieder einmal. Mit den Verlierern des zweiten Weltkrieges kann ja nicht Frankreich, Italien, Griechenland oder Spanien gemeint sein. Da gibt es ja nur einen Kandidaten: Deutschland.
Und wie im Aufsatz der Saturday Review schon 1895 schon so treffend gemutmaßt wurde: “macht euch fertig zum Kampf mit Deutschland, denn Germania est delenda (Deutschland muß zerstört werden)”
oder
“…und wir könnten dann also zu Frankreich und Rußland sagen: ‘Sucht euch die
Entschädigung selbst aus, nehmt euch in Deutschland was ihr wollt, ihr sollt es haben’… ‘Germaniaesse delendam'”

Man sieht, dieser Geist lebt immer noch in den Köpfen der Inselbevölkerung. Max Scheler hat diese urenglische Angst zu beschreiben versucht: “…mit einer von außen gesehen furcht-, ja schreckenerregenden Stetigkeit, Genauigkeit und Pünktlichkeit in sich selbst und in seine Sache wie verloren arbeitete, arbeitete und nochmals arbeitete – und was die Welt am wenigsten begreifen konnte – aus purer Freude an grenzenloser Arbeit an sich – ohne Ziel, ohne Zweck, ohne Ende. Was wird aus uns, was soll aus uns werden – empfanden die Völker … Wie sollen wir bestehen vor diesen neuen Massen? Uns ändern, es ihm gleichzutun suchen? Dreimal nein! Wir können nichtdiesem neuen Soll gehorchen! Aber wir wollen und sollen es auch nicht!”

Es ist nämlich nicht die Angst vor Europa, die die Engländer umtreibt; dem übrigen Europa sieht der Engländer mit kalter Verachtung bei dem Versuch zu, ein geeintes Gebiet zu werden, mit einer einheitlichen Währung, einer einheitlichen Rechtsprechung, einheitlichen Ein- und Ausfuhrbestimmungen und vor allem einer einheitlichen Zügelung eines ausufernden Kapitalmarktes, währe da nicht Deutschland. Währe da nicht jenes Land im Zentrum, im Herzen dieses 700 Mio Einwohner zählenden Giganten. Dieses Land das einfach nicht verschwinden will und sich trotz zweier zermürbender Kriege immer wieder erholt hat und seine Wahren immer wieder versteht, durch Fleiß, Disziplin und fortwährender Beständigkeit in Güte und Qualität weltweit hervorragend zu vermarkten. Eine tief verwurzelte und böse, ja zerstörerische Angst, die nicht Halt machen wird vor der Zerstörung eines geeinten Europas. Wir wissen mittlerweile, dass jenes fiskalische Produkt, das die derzeitige weltwirtschaftliche Krise ausgelöst hat, ein in England erfundenes Produkt war, und nicht zuletzt die Bevölkerung dieses Landes leidet ganz besonders darunter.
Fortsetzung folgt….