Switch Amnesia

Im heutigen Wissenschaftsteil des SPON wird von dem Forscher Alan Jasanoff berichtet, der den chemischen Austausch der Nervenzellen im Gehirn sichtbar machen will. Zitat: “Er will den Nervenzellen selbst bei ihrer Denkarbeit zugucken”. Man kann dem Mann nur raten, sich bei der Suche nach geeigneten Testpersonen nicht unbedingt beim Spiegel umzusehen. Denn, wenn wir uns den heutigen Artikel “Putins rechte Freunde” durchlesen, kommen wir recht schnell darauf, dass in Punkto Denkarbeit bei den Schreibern (und nicht nur dieses) Artikels nicht sehr viel Denkarbeit sichtbar zu machen ist. Den gleichen Versuch, Putin in die faschistische Ecke zu stellen hatte ja bereits gestern Jan Fleischauer unternommen mit eben derselben Anstrengung beim Nichtdenken. Bei dem Satz: “Nigel Farage, poltriger Vorsitzender der Anti-EU-Bewegung Ukip in Großbritannien, hielt der Europäischen Union vor, “Blut an ihren Händen zu haben”, weil sie mit dem Gerede von einer EU-Mitgliedschaft Putin unnötig provoziert habe”, könnte man wenigstens noch im Ansatz den verzweifelten Versuch der Autoren vermuten, die grauen Zellen zu aktivieren.Zumindest in der Richtung, den Text so zu drehen, dass die Leserschaft (wieder einmal nasgeführt) die Aussage: Putin wird durch Nigel Farage in freundschaftlicher Weise unterstützt, genauso schluckt, wie all die anderen an den Haaren herbeigezogenen Beispiele. Allein in diesem Artikel bemühen die Autoren fünf Mal den Begriff Propaganda oder Staatsfernsehen und verfallen damit genau in den Ton, den sie den russischen Sendern anlasten. Möglicherweise haben wir es bei dem Blatt mit dem Phänomen der sogenannten “switch amnesia” zu tun. Eine immer zum gewünschten Zeitpunkt ein und abschaltbare Amnesie. Denn bei dem trampeligen Verhalten des Bundespräsidenten in der Türkei, wo man vermutlich besser den Willi vom Schrottplatz hingeschickt hätte, vergessen die Linksintellektuellen in den Schreibstuben gerne, dass es ja ihr Kandidat war, der dann letztlich unter der plötzlich aufgewerteten Bild Partnerin und deren Keulenschlägen gegen den amtierenden Präsidenten quasi medienstark ins Amt gemogelt wurde. Hätte den Schaden ein Wulff angerichtet, der gesamte Ukraine Aufreger und alle Putins dieser Welt wären so bedeutungslos wie “Der vegane Hund” und der Leser müsste sich wieder über Wochen fragen, ist der eigentlich nur doof der Bundespräsident, ist der etwa gefährlich usw. Eben die gleichen Injurien, die die Leserschaft in der damaligen Causa Wulf bereits erlebt hat.

Wäre man ein Schelm der Böses denkt, würde man vermuten, einigen, der so gern als Linke Intellektuelle bezeichneten verantwortlichen Redakteuren, wäre vielleicht eine Reise nach Disneyland unter Führung John McCain’s versprochen worden inklusive der Möglichkeit, beim nächsten Bilderberger Treffen im Foyer einige berühmte Hände schütteln zu dürfen, aber da wir weder Böses denken, noch unter die Schelme gefallen sind, müssen wir mit der ersten und oben geschilderten Sachlage zurechtkommen und wollen hoffen, dass jener Forscher seine Probanden woanders sucht.