Wieder mal das fast Letzte

Zum Jahresende wird ja bekanntlich immer zurückgeblickt und Bilanz gezogen. In der Politik kann da schon mal der Schwerpunkt auf “gezogen” liegen, beziehungsweise das Wort gezogen durch gebogen ersetzt werden. Nun, ich will hier nichts biegen oder ziehen, ich möchte zum Jahresende einmal zwei Aspekte, die mich das ganze Jahr geärgert und gepiesackt haben ansprechen, in der Hoffnung, dass die andere Gewohnheit, die für den Jahreswechsel üblich ist, (das vornehmen guter Vorsätze nämlich) mir und Tausenden anderen hilft und unser Leben etwas einfacher macht.
Um gleich zum ersten Ärgernis zu kommen, stelle ich einfach mal die Frage, ob alle Web- und sonstige Designer unter 30 sind. Denn für alle die von uns, die, wie es so ist, über die Jahre dazu gezwungen sind, eine Lesebrille zu benutzen, sehen beim Öffnen der meisten Websites zunächst erst einmal etwas, was Schrift sein könnte aber durchaus auch der clevere Entwurf irgendwelcher Pünktchen und Striche, die den Betrachter dazu bringen sollen, seine Blicke auf die übermäßig große Werbung auf der Seite oder sonstwo zu richten. Dann geht’s los: wo war noch der Einzoomknopf am Browser? Ach ja, der ist ja auch so klein, dass man ihn kaum sieht, was nichts macht, denn durch die tausendfache Wiederholung, findet man ihn doch recht schnell. Auf 150 % eingezoomt, stellt man dann aber sehr schnell fest dass man andere Inhalte, wie Bilder und Ähnliches nur durch das lästige Bedienen der Scrollleisten sichtbar machen kann. Es scheint wohl zum Ästhetikbedürfnis dieser Spezies von Designern zu gehören, der weitaus größten Gruppe der Leser, nämlich der der über 45 jährigen, das Lesen so schwer zu machen, dass diese solcherart entworfenen Inhalten am besten fern bleibt. Die Darstellung dieser Webseiten auf einem Handy zu entziffern hat diese Altersgruppe vermutlich schon seit einiger Zeit völlig aufgegeben. In der verzweifelten Hoffnung, die Rettung könnte der Tabletcomputer sein, werden vermutlich viele zu diesen Unmöglichkeiten geflüchtet sein, nur um festzustellen, dass Sie hier die Schrift mit zwei Fingern größer pflitschen können, allerdings mit dem gleichen Ergebnis welches ich gerade beschrieben habe. Zwar finden sich hier keine umständlichen Scrollleisten, dafür bleibt man dann beim lästigen Pflitschen.
Ein anderer Punkt vermutlich noch ärgerlicherer als der erste, ist der Umstand, dass Medizin in Tablettenform heutzutage so verabreicht wird, als bestünde die Haupt- Konsumentengruppe aus lauter Teenagern. Die Beipackzettel sind ähnlich klein geschrieben wie die gerade angeführten Webseiten und sind in der Regel nur mit einer Lupe lesbar. Darüber hinaus hat man sich jene eigentümlichen Quetschverpackungen ausgedacht, die die Feinmotorik eines 15 jährigen erfordern. Personen die die 50 überschritten haben, selbst wenn sie nicht an übermäßiger Arthritis leiden, werden vermutlich Hunderte der kleinen weißen, roten, grünen und blauen Pillen bei einer Hausrenovierung oder bei einem Umzug unter allen möglichen Möbeln und in allen möglichen Ecken und Ritzen finden. Den Sinn und den Zweck dieser Verpackungsart habe ich versucht in Apotheken, bei der Pharmaindustrie und bei den verschreibenden Ärzten zu erfragen. Das Ergebnis ist ernüchternd. Von Sicherheit für den Patienten wird da geredet, und einfacherer Dosierung, von größerer Übersichtlichkeit und einfacherer Handhabung ebenso.
Dass diese Art der Verpackung nicht nur äußerst kompliziert ist für den Kunden, (man stelle sich nur mal einen 80 jährigen vor, der mit von Arthritis gekrümmten Fingern versucht eine dieser Pillen aus jener unmöglichen Packung herauszuquetschen) sondern dass sie auch komplett dem heutigen Umweltbewusstsein widerspricht, ist vermutlich noch niemandem gekommen. Denn was würde dagegen sprechen, Tabletten wieder so zu verabreichen wie man es in der Vergangenheit auch getan hat. Eine Dose, die sich leicht öffnen lässt, ja selbst eine Pappschachtel würde genügen. Der Hinweis, dass solcherlei Medikamente gegen den Zugriff von Kindern geschützt sein müssten, zeugt mal wieder von der Unmündigkeit, die uns in Bezug auf die Erziehung unserer Kinder unterstellt wird. Ganz abgesehen von der Doofheit die man uns unterstellt, wenn man annimmt wir könnten zu viele Tabletten auf einmal schlucken wenn sie in einer Dose oder in einer Schachtel lose verpackt wären. Ich tippe da eher mal auf eine riesige Industrie, die von dieser Geisel des Patienten hervorragend lebt.
Aber was rege ich mich auf, das Jahr ist ja noch gar nicht beendet und ich sollte auf meine Wunschliste für Weihnachten einen Tablettenspender setzen, dazu vielleicht einen Riesenmonitor und eine neue Lesebrille.