Zum Tag

Bis der Tag Schweißperlen der Nachtangst auf dieses Lager wirft, aus der Dunkelheit fällt und schrecklich, göttliche Klänge in ferne, andere, fremde Leben spielt. Zittrige Melodien, Harmonie gaukelnd, schleicht sich auch in den Morgen Trost, wie die Sünde abgestandenen Alkohols in den Mund, den Rachen, auf dass sich der Magen hebt und von sich gibt, was die Nacht vergoren. Die neue Stunde weiß nichts von gottlosen Nachtpriestern, sie reinigt ohne Gnade, ohne Rücksicht und zerschlägt Momente, deren Bilder, Tempel und Klänge, sie ist rein, makellos und ohne jede Tücke. Dämonen beugen sich, selbst das verlorene Ich will eine Heimat finden und stiehlt sich in neue, geflickte Kleider, obwohl auch die geborgt aus dem großen Leihhaus der Illusion, dem Geschenk, das keines ist. Genommen, und schon wenn die Stunde sich ihrem Ende zuneigt, wird die Rechnung präsentiert. Aber das ist weit, sie scheint unendlich und stiehlt damit der Illusion ein Stück vorweg genommener Zeit. Ein Stückchen Glück gerinnt in dieser Stunde, das man in Gräsern finden kann, in Vogelstimmen, die an nichts als sich selbst zerschellen und einem Ich, das plötzlich wahr zu werden scheint. Bis der Tag Schweißperlen der Nachtangst dem Licht der Wirklichkeit opfert, die sich gierig an dieser Gabe bereichern wird, bleibt mein Ich gefangen für eine kurze, nie vergangene Ewigkeit.