Zum Thema täglicher Medienwahnsinn

Da zahlen doch solche Firmen wie Google, Starbucks und Amazon fast gar keine Steuern im Königreich. Ein Aufschrei nach einer, mal wieder so völlig bewusst und gewollten, Medienenthüllung, die dennoch nichts anderes ist, als der moralische Fingerzeig, um von anderen, wichtigeren Meldungen (die natürlich nicht erwähnt werden) abzulenken. Und sicher wie das Amen in der Kirche und vor allem so absehbar bei der ersten Zeile der Meldung, war absehbar, dass sich der Finanzminister, oder der Chancelor, wie er hier genannt wird, sofort zu Wort meldet mit der Ankündigung, dass er sie alle kriegt, ohne Pardon. Mal ganz abgesehen von der Frage: wie denn? Es ist doch nichts aber auch gar nichts illegal an dem was diese Corporations tun, muss sich der Außenstehende fragen, was will uns die gleichgeschaltete Medienlandschaft im Verein mit der willfährigen Politik denn nun wieder unterjubeln. Und in dieses Gemenge platzt dann die Nachricht vom Thronfolger und seiner Frau: “Wir sind schwanger!” Bis auf den in russischen Händen befindlichen Independent (der einmal versprochen hatte nichts aber auch garn nichts mehr über die Royales zu bringen) vergisst zumindest die Presse für einen Augenblick die Aufregung über Kaffee- und Buchverkäufer, die sich anschicken ihren dringend erforderlichen Obolus für das Königreich schuldig zu bleiben. Aber halt, das gilt natürlich nur solange wie die morgendliche Übelkeit der Duchess anhält und man fürchterlich interessiert an der königlichen Gebärmutter selbstverständlich diese und den besorgten Prinzen auf die Titelseiten hieven muss. Nur noch auf den zweiten Seiten der königlichen Bulletins (als etwas anderes ist die Presse hier nicht mehr zu erkennen) hört man von der moralischen Verwerflichkeit Starbucks und Konsorten. Was ja für den Kaffeegiganten, der übrigens seit einigen Stunden Reue zeigt (angeblich), nicht unbedingt von Nachteil ist. Von Nachteil hingegen ist jedoch, dass in diesem Blitzlichtgewitter Meldungen untergehen, die von zurückgegangenen Exporten ins benachbarte Euroland berichten könnten, von der zunehmenden Entfremdung des Inselreichs von Europa, mit vermutlich katastrophalen Folgen, von Plänen wieder einmal Steuern anzuheben oder den “average Joe”, sprich in deutsch, den guten alten Otto Normalverbraucher, mit neuerlichen versteckten Abgaben zu belasten. Nein, da wechselt die berüchtigte und immer wieder als politisches Sprachrohr bekannte Medienlandschaft gleich ins Blutressort. Aber dennoch ein sehr erfolgreicher Tag für all die Blättchen und für all die niemals kritischen Sendeanstalten. Die, die sie auf den Altären des täglichen Nichts, der täglichen Mittelmäßigkeit opfern, nehmen ihre Rolle als Opfer wieder einmal dankend an und scheinen sich auf dieses erneute Opfer zu freuen.